Die richtige Wahl

Die richtige Wahl
Adrian Smigay, Orthopädietechniker aus Eitorf, hatte bei seiner Berufsentscheidung (mehr als) ein glückliches Händchen.

So strukturiert geht wohl selten jemand an seine Berufswahl heran. Als Ergebnis eines Berufsfindungstests in der achten Klasse wurden Adrian Smigay verschiedene Berufe vorgeschlagen – und so testete er kurzerhand einige von ihnen in Praktika. Vom Einzelhandelskaufmann bis zum Koch; sogar als Steinmetz am Kölner Dom probierte er sich. Und am meisten überzeugt, so Smigay, habe ihn die Orthopädietechnik: „Heute möchte ich auf keinen Fall etwas anderes machen. Ich habe eine tolle Position in meinem Unternehmen und bin sehr zufrieden.“

Da verwundert es kaum, dass der heute 30-jährige Familienvater aus Eitorf im letzten Jahr mit einem sehr guten Ergebnis seine Meisterprüfung bestanden hat – und zwar als Bester seines Jahrgangs. Auch wenn er bescheiden einwendet, damit nicht ernsthaft gerechnet zu haben – „Intensive Vorbereitung, viele Gedanken im Vorfeld und der Austausch mit erfahrenen Meistern aus dem Betrieb“ lassen schon erahnen, wie viel Gründlichkeit dahintersteckt. Smigay arbeitet derzeit in der Zentrale der Firma Rahm in Troisdorf.

Adrian Smigay mit Bundesminister Dr. Karsten Wildberger (l.) und HWK-Präsident Andreas Ehlert
© Wilfried Meyer

Die Grundlagen für diesen Erfolg wurden in der Kindheit gelegt. Zwar gab es bei Smigay während der Schulzeit in Wipperfürth noch keine direkten Anknüpfungspunkte zum Handwerk, im privaten Bereich allerdings schon, „da ich ländlich aufgewachsen bin und dort immer viele handwerkliche Tätigkeiten anfallen.“ In seinem Ausbildungsbetrieb Munny Orthopädie GmbH in Bergisch Gladbach, für den er sich nach dem dort absolvierten Praktikum entschieden hatte, traf er es gut an: Nicht nur, dass der Ausbildungsplatz wohnortnah war, was für ihn im Alter von 17 Jahren aufgrund der guten Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs besonders wichtig war. Er habe sich direkt gut mit den Kollegen verstanden, „und das Arbeitsumfeld war sehr angenehm. Das hat mir den Einstieg ins Berufsleben erleichtert.“

Prägende Erfahrungen
Auch anderen jungen Leuten rät er dazu, Dinge einfach auszuprobieren und sich verschiedene Handwerksberufe anzuschauen: „Praktika – auch freiwillig in den Ferien – sind dafür ideal. Sie helfen Jugendlichen bei der Orientierung und kommen bei Arbeitgebern sehr gut an.“ Viele Berufe, fügt er hinzu, seien mit Vorurteilen behaftet, obwohl man den tatsächlichen Arbeitsalltag gar nicht kenne.

© Tabea Weberskirch

Ihn selbst hat noch eine weitere berufliche Station auf seinem Weg stark beeinflusst: ein einjähriger Auslandsaufenthalt in Australien. Dort hat Adrian Smigay ebenfalls Prothesen gebaut, dazu in einem anderen Land, mit anderer Sprache und anderen Herausforderungen gearbeitet: „Diese Zeit war sehr prägend und hat mich fachlich wie persönlich weitergebracht.“

Zwischen dem Abschluss seiner Ausbildung und dem Beginn des Meisters lagen bei Adrian Smigay insgesamt neun Jahre. Rückblickend würde er wohl eher eine Vollzeitweiterbildung gewählt oder sie früher absolviert haben. Doch bei den komplexen Anforderungen dieses anspruchsvollen Berufs, in dem Technik und Tüftelei, aber auch Einfühlungsvermögen im Umgang mit den Patienten erforderlich sind, ist die Erfahrung kaum zu unterschätzen.

So liegen dem Orthopädietechniker beispielsweise besonders die Planung einer Versorgung gemeinsam mit Patienten, Ärzten und Therapeuten. „Außerdem scheint es mir leicht zu fallen, mir vorzustellen, wie ein Hilfsmittel am Ende aussehen soll – also Konfiguration, Zuschnitt, Formgebung und die praktische Umsetzung“, erklärt er mit einem Lächeln. Dies kam ihm sicherlich auch bei der Meisterprüfung zugute, bei der zwei Prüfungsstücke anzufertigen waren: zum einen eine Unterschenkelprothese mit verstellbarem Schaftsystem, Carbon-Federfuß und Vakuumschaft, außerdem eine Ganzbeinorthese für eine Patientin mit gelähmtem Bein.

© Tabea Weberskirch

Offen für Neues
Für die Meisterqualifikation habe er sich entschieden, um eine höhere Qualifikation zu erlangen und beruflich weiterzukommen, aber auch, um mehr Verantwortung zu übernehmen und neue Dinge kennenzulernen, so Smigay. Interesse und Lernfähigkeit hält er generell für das Wesentliche, um im Beruf zu bestehen: „Wer bereit ist, Neues aufzunehmen und sich weiterzuentwickeln, kann viel erreichen. Gerade in unserem Beruf verändern sich Technik, Verfahren und medizinische Erkenntnisse sehr schnell. Deshalb ist lebenslanges Lernen besonders wichtig.“

Allerdings wünscht er sich, dass man in seinem Handwerk trotz Digitalisierung und technologischem Fortschritt weiterhin vieles selbst und individuell herstellen darf: „Gerade in der Orthopädietechnik ist jede Versorgung ein Einzelstück.“ In seinem Betrieb, so Smigay, sei man auf kommende Veränderungen vorbereitet; Ausbildung und Nachwuchsförderung spielten eine große Rolle. „Wichtig ist dabei jedoch nicht nur, Auszubildende einzustellen, sondern ihnen auch eine wirklich gute Ausbildung zu bieten“, erklärt der Orthopädietechnikermeister und sieht sich auch selbst in der Verpflichtung, Nachwuchs auszubilden. „Das habe ich bereits vor dem Meister getan und werde es auch in Zukunft weiterführen.“

Pläne, einen eigenen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen, hat er hingegen derzeit nicht. Das hängt auch mit den Bedingungen einer Betriebsgründung zusammen: „Aufgrund der starken Veränderungen im Gewerk sowie hoher Anforderungen durch Krankenkassen und gesetzliche Vorgaben halte ich eine Selbstständigkeit im kleinen Rahmen für schwierig.“

Verständlicherweise steht nach den überstandenen Anstrengungen der Meisterschulzeit – Smigay absolvierte die Fortbildung berufsbegleitend und musste rund eineinhalb Stunden zur Meisterschule pendeln – jetzt erst einmal seine Familie im Mittelpunkt. Denn der frisch gebackene Meister hatte kürzlich noch etwas zu feiern: die Geburt seiner zweiten Tochter.

Zitat:
„Wer bereit ist, Neues aufzunehmen und sich weiterzuentwickeln, kann viel erreichen. Gerade in unserem Beruf verändern sich Technik, Verfahren und medizinische Erkenntnisse sehr schnell. Deshalb ist lebenslanges Lernen besonders wichtig.“


Handwerkskammer Düsseldorf
Pressemitteilung vom 15. Juni ’26 um 14:45 h

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