Fließgewässer als Hotspots der Biodiversität
Rhein-Sieg-Kreis (dwo) – Der Rhein-Sieg-Kreis ist mit seinen vielen größeren und kleineren Fließgewässern ein sehr wasserreicher Kreis, der etlichen Tieren und Pflanzen als Refugium dient. Diese wertvollen Lebensräume benötigen unseren besonderen Schutz. „Die biologische Vielfalt in unseren Fließgewässern ist ein kostbares Gut, doch sie steht unter Druck“, darauf macht Jörg Bambeck, Leiter des Amtes für Umwelt- und Naturschutz des Rhein-Sieg-Kreises, anlässlich des „Tags der biologischen Vielfalt“ aufmerksam.

Matthias Overmann
Besonders entlang der Sieg, der Agger und der vielen kleineren Bäche im Kreis finden sich hochspezialisierte Lebensräume. Hier kann man bei genauem Hinsehen eine faszinierende Welt entdecken: von skurrilen Insektenlarven über seltene Krebse wie dem Europäischen Edelkrebs Astacus astacus bis hin zu verschiedenen Fischarten, die diese Gewässersysteme als ihre Heimat nutzen.
Doch wer aufmerksam die Uferzonen beobachtet, wird feststellen, dass diese sensiblen Bereiche zunehmend gefährdet sind. Vor allem die Kiesbänke – jene dynamischen Abschnitte in den Bachbetten – verlieren an Qualität. Während diese Zonen früher als natürliche Hotspots der Biodiversität fungierten, ist ihre Funktion heute oft beeinträchtigt.

Matthias Overmann
Die Bedeutung dieser Flächen ist immens: Für viele Fischarten sind saubere Kiesbänke die essenziellen Laichgründe; ohne diesen sauerstoffreichen Untergrund können sie keine Nachkommen produzieren. Zudem bieten sie spezialisierten kiesliebenden Insekten und kleinen Wirbellosen eine überlebenswichtige Grundlage, die in der ansonsten stark strukturierten Landschaft kaum noch zu finden ist. Darüber hinaus dienen Kiesbänke zahlreichen Vogelarten als Rast- und Brutplatz.
„Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig, doch vor allem der Verlust an natürlicher Gewässerdynamik sowie direkte menschliche Störungen setzen diesen Lebensräumen zu“, erläutert Jörg Bambeck.
Neben baulichen Veränderungen in den Flussläufen stellt die direkte Belastung ein großes Problem dar. Kiesbänke wirken zwar robust, sind jedoch hochsensibel. Das Betreten dieser Flächen führt oft zur Verdichtung des Kieses oder zur Zerstörung von im Substrat verborgenen Fischeiern und Larven. Zudem werden viele Brutvögel, die entlang der Schilfbestände und Hecken am Wasser ihre Nester bauen durch den zunehmenden Freizeitdruck gestört.
„Um diese extrem störungssensiblen Lebensräume nicht zusätzlich zu belasten, sollten Spaziergängerinnen und Spaziergänger unbedingt auf den offiziellen Wegen bleiben und die Kiesbänke sowie die Uferzonen nicht betreten“, so Jörg Bambeck weiter. Dies gilt ebenso für Kanufahrende, die ihre Boote ausschließlich an den dafür ausgewiesenen Bootsanlegestellen ein- und ausladen dürfen. So kann nur durch ein gemeinsames Bewusstsein für die Bedeutung dieser kleinen, aber feinen Lebensräume sichergestellt werden, dass auch künftige Generationen die natürliche Vielfalt unserer Fließgewässer weiterhin erleben dürfen.
Rhein-Sieg-Kreis
Pressemitteilung Nr. 135 vom 18. Mai ’26 um 11:39 h




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