Kreissynode

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Die Weichen auf Zukunft stellen 

Die Evangelische Kirche im rechtsrheinischen Bonn und Rhein-Sieg-Gebiet stellt ihre Weichen weiter auf Zukunft. Für ein lebendiges evangelisches Leben hat die Kreissynode bei ihrer Tagung am Samstag in Windeck-Herchen organisatorische Vereinfachungen beschlossen. Die Kreissynode, das oberste Entscheidungsgremium des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein, hat die Zusammenarbeit der 27 Gemeinden neu justiert, in der Kinder- und Jugendarbeit die Kooperation von Gemeinden erleichtert und die gemeinsame Verwaltung mit zwei Nachbarkirchenkreisen auf den Weg gebracht. 

Kreissynode
EKASuR / Anna Neumann

Zentrale Anstellung von Jugendleiter*innen stärkt Kinder- und Jugendarbeit
Die hauptamtlichen Jugendleiter*innen in der Evangelischen Kirche müssen für die veränderten Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen gut eingestellt und ausgerüstet sein. Zugleich werden die finanziellen Ressourcen knapper. Es gibt einen Fachkräftemangel, der nur mit attraktiven Stellenangeboten zu beantworten ist. Diese Gründe überzeugten die Delegierten und so gibt es nun eine neue Option: eine zentrale Anstellung von gemeindlichen Jugendleiter*innen beim Kirchenkreis. Das stärkt die evangelische Kinder- und Jugendarbeit vor Ort. 

So funktioniert die Lösung: Gemeinden bestimmen weiterhin die inhaltliche Arbeit, der Kirchenkreis wird Anstellungsträger und das Evangelische Jugendwerk Sieg • Rhein • Bonn übernimmt die Dienst- und Fachaufsicht. Beispielsweise könnte bisher eine Gemeinde wegen knappen Budgets nur eine halbe oder dreiviertel Stelle ausschreiben. Dank der neuen Option kann stattdessen ein*e Jugendleiter*in, zentral auf voller Stelle angestellt, in zwei Gemeinden anteilig arbeiten.

Kooperation der Kirchengemeinden
Die Kreissynode hat das Miteinander der Gemeinden in Form der sog. Kooperationsräume neu geordnet. Statt bisher neun gibt es künftig nur noch fünf Kooperationsräume. Ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren oder fusionieren zu müssen, stimmen sich die Gemeinden bei der Planung von Pfarrstellen in ihren jeweiligen Kooperationsräumen ab – im Sinne einer fairen Verteilung. Auch beim Gebäudebedarf ist die Abstimmung verpflichtend. Hinzu kommen freiwillige nachbarschaftliche Gemeinschaftsaktionen wie beispielsweise gemeinsame Konfirmanden-Camps oder Tauffeste. So steht das Konzept der Kooperationsräume insgesamt für ein attraktives aktives Gemeindeleben. 

Die Kirchengemeinden an Sieg und Rhein arbeiten bereits seit 2014 in Kooperationsräumen zusammen. 2020 hat die Kreissynode diese Kooperationen bestätigt und mit dem landeskirchlichen Pfarrstellenrahmenplan 2030 verknüpft. Im Blick auf den neuen Pfarrstellenrahmenplan 2040, der ein weiteres Abschmelzen von Pfarrstellen vorsieht, verbindet sich jetzt der Neuzuschnitt der Kooperationsräume.

Kooperation mit Nachbarkirchenkreisen
Wenn auch der Evangelische Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel zustimmt, kann er gegründet werden: der „Evangelische Verwaltungsverband Rheinland-Mitte“. Aus dem Kirchenkreis Bonn liegt bereits das Go vor. Nun hat auch die Kreissynode An Sieg und Rhein diese Gründung begrüßt, so dass diese gemeinsame Verwaltung der drei Kirchenkreise zum 1. Januar 2027 entstehen kann.  

Superintendentin Almut van Niekerk machte zu Beginn dieses Tagesordnungspunktes deutlich: „Wir müssen unsere Strukturen anpassen.“ Dem diene eine gemeinsame, schlankere Verwaltung. Sie habe in dieser Frage auch auf Tempo gedrückt. Ausgangspunkt war eine Bitte um Amtshilfe aus der Bonner Kirchenverwaltung, deren Leitung vakant wurde. So sei im Grunde eine „Strukturchance“ entstanden, die es nun entschlossen zu nutzen gelte. Kritische Nachfragen aus der Synode drehten sich u.a. um den künftigen Einfluss des hiesigen Kirchenkreises im neuen Gebilde. In der engagierten Diskussion wurden Chancen und Risiken thematisiert und das Projekt nun verbessert auf den Weg gebracht.

Der Hauptsitz der neuen Verwaltung soll Siegburg sein, Bonn ein zweiter Standort. In der zwölfköpfigen Verbandsvertretung sind – passend zu den divergierenden Kirchenkreisgrößen – für Bonn und Bad Godesberg-Voreifel jeweils drei Sitze vorgesehen, für An Sieg und Rhein sechs. Die hiesige Kreissynode hat beschlossen, in die Steuerungsgruppe zur Gründung der neuen Verwaltung ein weiteres Mitglied aus dem Kreis der Gemeinden zu entsenden. 

Beispiel aus Dinslaken:
Pfarrdienst mit Stand- und Spielbein
Wie weitergehende Innovationen aussehen könnten, machte der Vortrag des Superintendenten von Dinslaken, David Bongartz, deutlich. Unter dem Titel „Zukunft des Pfarrdienstes“ schilderte der Theologe, der früher in Sankt Augustin Pfarrer war, wie in Dinslaken Pfarrstellen von der Gemeinde- auf die Kirchenkreisebene verlagert wurden und die Pfarrpersonen nun „ein Standbein und ein Spielbein“ haben. Jede und jeder habe ein festes örtliches Standbein und daneben übergemeindliche Aufgaben. Eine Pfarrperson ist teils im Gemeindepfarramt, teils überregional aktiv. 

Die „Kombi“ bringe die Gaben der Kolleg*innen besser zur Geltung, so Bongartz. Gemeinden müssten künftig keine „Vollsortimenter“ mehr sein – in der Region solle es das volle Sortiment geben, die ganze Bandbreite evangelischer Dienste. Der Pfarrdienst müsse so vielfältig und attraktiv sein, dass er „ein besonderer Schatz“ ist. 

Superintendentin Almut van Niekerk hat mit der Einladung zu diesem Erfahrungsbericht das „gemeinsame Nachdenken“ über Innovationen weiter vorangetrieben. Mögliche Weichenstellungen, Neukonzeptionen oder andere Schwerpunktsetzungen in der Zukunft werden Thema der Synode bleiben. Ein Ausblick auf das bevorstehende Event „Einfach heiraten“ machte bei der jetzigen Tagung ganz praktisch deutlich, dass die Evangelische Kirche attraktive, überraschende Angebote realisiert.

Die Synode richtete ihren Blick auch in die Ferne – und das sorgenvoll. Superintendentin Almut van Niekerk sprach die Verhaftung der palästinensischen Studentin Natalie Abudayyeh an. Israelisches Militär setzte die junge Frau wegen angeblicher Unterstützung terroristischer Aktivitäten fest. Natalie Abudayyeh stammt aus Beit Jala, hat die dortige evangelische Schule Talitha Kumi absolviert, gehört zur Frauen-Fußball-Nationalmannschaft und zur Evangelisch-Lutherischen Gemeinde.

Nachwahl in den Kreissynodalvorstand
Die Kreissynode mit ihren 135 stimmberechtigten Mitgliedern setzt sich aus Pfarrpersonen sowie den nichttheologischen Vertreter*innen der Gemeinden zusammen. Sie tagt zwei Mal im Jahr. Die Versammlung hat einen Vorstand – und dieser ein neues Mitglied. Der 26-jährige Nils Wandelt aus Niederkassel, beruflich als Lehrer tätig, wurde als stellvertretendes Mitglied neu in den Kreissynodalvorstand gewählt. Die Vorgängerin musste das Ehrenamt aus persönlichen Gründen aufgeben. 

Zum Evangelischen Kirchenkreis An Sieg und Rhein gehören 27 Kirchengemeinden, die zusammen rund 93.000 Mitglieder zählen. Neben den rechtsrheinischen Seiten der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises gehören außerdem Overath im Rheinisch-Bergischen-Kreis sowie zwei Gemeinden in Rheinland-Pfalz zum Kirchenkreis.

Web: www.ekasur.de


Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein
Pressemitteilung vom 14. Juni ’26 um 11:23 h

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