Verkehrsunfallbilanz

Polizeiliche Verkehrsunfallbilanz 2025 der Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis

Siegburg (ots)
Weniger Verkehrsunfälle – mehr Verletzte: Polizei legt besonderen Fokus auf ungeschützte Verkehrsteilnehmende, E-Scooterfahrende, Kradfahrende und Sicherheit an Bahnübergängen

Am heutigen Tag (11. März) wurde die Verkehrsunfallbilanz 2025 veröffentlicht. Die Bilanz für die Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis umfasst alle polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis ohne die Städte Bad Honnef und Königswinter sowie die Maßnahmen der Polizei zur Verbesserung der Verkehrssicherheit.

Behördenleiter Sebastian Schuster stellte der diesjährigen Bilanz voran:

„Die Sicherheit und der Schutz aller Verkehrsteilnehmenden stehen im Mittelpunkt meiner Arbeit als Landrat und als Behördenleiter der Polizei Rhein-Sieg. Jedoch ist die Verkehrssicherheit eine gemeinsame Aufgabe. Rücksicht, Aufmerksamkeit und die Einhaltung der Verkehrsregeln sind entscheidende Faktoren, um Unfälle zu vermeiden und Leben zu schützen. Mein Dank gilt daher allen Bürgerinnen und Bürgern, die durch umsichtiges Verhalten zu mehr Sicherheit auf unseren Straßen beitragen, sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meiner Behörde, die sich täglich engagiert für die Verkehrssicherheit im Rhein-Sieg-Kreis einsetzen.“

Weniger Unfälle – dennoch mehr Verletzte
Im Jahr 2025 registrierte die Polizei insgesamt 9.768 Verkehrsunfälle. Damit sank die Gesamtzahl gegenüber dem Vorjahr um 333 Unfälle (2024: 10.101). Dies entspricht einem Rückgang von 3,3 Prozent.

Die sogenannte Unfallhäufigkeitszahl (UHZ) – also die Zahl der Verkehrsunfälle pro 100.000 Einwohner – liegt im Rhein-Sieg-Kreis bei 2.591. Damit belegt die Kreispolizeibehörde im landesweiten Vergleich einen sehr guten dritten Platz unter 47 Polizeibehörden. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Unfallhäufigkeitszahl in Nordrhein-Westfalen beträgt 3.638. Der deutlich niedrigere Wert im Rhein-Sieg-Kreis zeigt, dass sich Verkehrsteilnehmende im hiesigen Bereich vergleichsweise sicher im Straßenverkehr bewegen können.

Trotz weniger Unfälle stieg die Zahl der verletzten Verkehrsteilnehmenden an. 1.500 Menschen wurden im Jahr 2025 verletzt, das sind 101 Personen mehr als im Vorjahr (+7,2 %).

Bei der Zahl der tödlich Verunglückten konnte glücklicherweise ein Rückgang verzeichnet werden. Trotzdem starben auf den Straßen im Rhein-Sieg-Kreis sieben Menschen bei einem Verkehrsunfall (2024: 11). Insbesondere ungeschützte Verkehrsteilnehmende – also Menschen zu Fuß oder auf Zweirädern – waren besonders häufig von schweren Unfallfolgen betroffen.

Tödliche Unfälle an Bahnübergängen
Besonders tragisch ist die Entwicklung an Bahnübergängen: Vier der sieben tödlich verunglückten Menschen verloren ihr Leben an Bahnübergängen. Dabei kamen drei Zufußgehende sowie ein Radfahrer ums Leben. In allen Fällen versuchten die Betroffenen, trotz geschlossener Schranke oder Halbschranke, den Bahnübergang zu überqueren.

Um auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, startete die Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis die Präventionskampagne „BLEIB STEHEN – BLEIB AM LEBEN!“. Dieser einprägsame Slogan wurde gut sichtbar auf Gehwegen vor Bahnübergängen aufgesprüht. Ergänzend führt die Polizei gezielte Verkehrsüberwachungen an Bahnübergängen durch, um Verstöße konsequent zu ahnden. Begleitet wird die Kampagne durch Beiträge und Videos in den sozialen Netzwerken.

Die Leiterin der Direktion Verkehr, Polizeirätin Stephanie Spengler, betont: „Bahnübergänge verzeihen keine Fehler. Züge können weder ausweichen noch schnell bremsen. Wer Rotlicht oder geschlossene Schranken ignoriert, bringt sich in Lebensgefahr. Deshalb gilt immer: Bei Rot stehen bleiben! Lieber später ankommen als nie.“ #BleibStehenBleibAmLeben

Kinder im Straßenverkehr
Die Zahl der verunglückten Kinder ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken: 126 Kinder verunglückten im Straßenverkehr (2024: 134). Bei den leichtverletzten Kindern auf Fahrrädern und E-Scootern zeigt sich hingegen ein besorgniserregender Trend: Hier wurden jeweils elf Verletzte mehr als im Vorjahr registriert.

Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung der frühzeitigen Verkehrserziehung und der sicheren Nutzung von Fahrrädern und E-Scootern. Denken Sie bitte daran: Um einen E-Roller benutzen zu dürfen, muss Ihr Kind mindestens 14 Jahre alt sein. Das Fahren auf Gehwegen ist verboten. Der E-Scooter braucht eine Betriebserlaubnis und eine gültige Versicherung.

Polizeirätin Stephanie Spengler betrachtet die aktuelle Entwicklung der Unfallzahlen bei ungeschützten Verkehrsteilnehmenden mit großer Sorge: „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, eine Familie und oft ein Schicksal, das sich von einem Moment auf den anderen verändert. Als Polizistin sehe ich diese Folgen regelmäßig. Als Mutter zweier Teenager berührt mich dieses Thema auch persönlich, denn junge Menschen sind täglich mit dem Fahrrad oder E-Scooter unterwegs. Gerade Jugendliche, besonders auf E-Scootern, unterschätzen häufig die Risiken im Straßenverkehr. Ohne schützende Karosserie, Airbags usw. können schon kleine Fehler schwere Folgen haben.

Mein Appell an alle Jugendliche: Fahrt aufmerksam, sorgt für gute Sichtbarkeit, fahrt nie zu zweit und niemals alkoholisiert. Und auch wenn es vielleicht uncool wirkt: Ein Helm kann Leben retten. Unser Ziel muss es sein, dass alle sicher an ihr Ziel kommen – unabhängig davon, wie sie unterwegs sind. Dazu braucht es Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein aller Verkehrsteilnehmenden. Geschwindigkeit, Ablenkung und mangelnde Wahrnehmung sind nach wie vor zentrale Ursachen schwerer Unfälle. Verkehrssicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe – und jeder von uns kann dazu beitragen, dass unsere Straßen insbesondere für die Schwächsten sicherer werden.“

Deutlicher Anstieg bei E-Scooter-Unfällen
Nicht nur bei Kindern, sondern insgesamt stieg die Zahl der Unfälle im Zusammenhang mit Elektrokleinstfahrzeugen (E-Scootern) im Jahr 2025 deutlich an. Insgesamt 86 Personen verunglückten mit E-Scootern. Dabei erlitten sechs Menschen schwere (2024: 2) und 80 leichte Verletzungen (2024: 37).

Besonders auffällig ist die Entwicklung in jüngeren Altersgruppen:

   -	Kinder: 15 Verunglückte (+11) -	Jugendliche: 18 Verunglückte 
(+13)

Allein bei den Jugendlichen verdreifachte sich die Zahl der Verunglückten auf E-Scootern. Die Polizei im Rhein-Sieg-Kreis sieht hier einen deutlichen Schwerpunkt für weiterführende Präventionsmaßnahmen und Aufklärungsarbeit.

Mehr verunglückte Radfahrende – Rückgang bei Pedelecs
Nachdem im Jahr 2024 erstmals ein Rückgang festgestellt worden war, stieg die Zahl der verunglückten Radfahrenden wieder an. 273 Radfahrende verunglückten im Jahr 2025, im Vorjahr waren es 248 (+10,08 %). Die Zunahme betrifft insbesondere Jugendliche, junge Erwachsene und Erwachsene. Eine positive Entwicklung zeigt sich hingegen bei den Pedelec-Fahrenden (8 Verletzte weniger). Rückgänge wurden in nahezu allen Altersgruppen festgestellt.

Seniorinnen und Senioren häufiger beteiligt
Die Zahl der verunglückten Seniorinnen und Senioren stieg von 240 auf 256. Während die Unfallzahlen bei lebensälteren Rad- und Pedelec-Fahrenden rückläufig waren, nahm die Zahl der Unfälle unter Beteiligung von Seniorinnen und Senioren als Pkw-Fahrende deutlich zu – von 63 auf 91 Verunglückte.

Kradfahrende weiterhin im Fokus der Verkehrssicherheitsarbeit
Motorradfahrende stehen aufgrund der ländlich geprägten Infrastruktur des Rhein-Sieg-Kreises weiterhin besonders im Fokus der Verkehrssicherheitsarbeit. Im Jahr 2025 verunglückten 98 Kradfahrende, im Vorjahr waren es 87 (+11).

Positiv hervorzuheben ist, dass im Jahr 2025 kein Kradfahrer im Vergleich zu den Vorjahren tödlich verunglückte. Zudem sank die Zahl der schwerverletzten Kradfahrer von 25 auf 18. Hingegen bei den Leichtverletzten ist ein negativer Trend festzustellen. Hier musste die Polizei im Vergleich zum Vorjahr 20 mehr Verletzte registrieren (2025: 80)

Um riskantes Fahrverhalten auf beliebten Motorradstrecken zu reduzieren, hat die Polizei in Zusammenarbeit mit Straßen.NRW und der Unfallkommission des Rhein-Sieg-Kreises zum Beispiel die Bundesstraße 256 bei Schladern, die seit Jahren als unfallträchtiger Streckenabschnitt bekannt ist, nach intensiven Verkehrskontrollen und einer umfassenden Analyse der Verkehrssituation, baulich verändert. Im Herbst 2025 wurden Fahrbahnteiler und deutlich sichtbare Doppelmarkierungen angebracht, um die Geschwindigkeit zu senken und riskantes Fahrverhalten dauerhaft zu reduzieren.

Häufigste Unfallursachen
Bei der Analyse der Verkehrsunfälle im Rhein-Sieg-Kreis zeigen sich auch im Jahr 2025 klare Schwerpunkte bei den Unfallursachen. Die häufigste Ursache sind Vorfahrts- und Vorrangverletzungen. Rund ein Fünftel der ausgewerteten Verkehrsunfälle sind darauf zurückzuführen, dass Verkehrsteilnehmende die Vorfahrt anderer missachteten oder Vorrangregeln nicht beachteten.

An zweiter Stelle folgt die nicht angepasste Geschwindigkeit. Etwa 15 Prozent der Unfälle stehen im Zusammenhang mit einer Geschwindigkeit, die nicht den Verkehrs-, Sicht- oder Witterungsverhältnissen angepasst war.

Ebenfalls eine zentrale Rolle spielen Fehler beim Abbiegen. Rund zwölf Prozent der Verkehrsunfälle entstehen durch falsches oder unachtsames Abbiegen. Dabei kommt es insbesondere zu Konflikten mit entgegenkommenden Fahrzeugen oder mit querenden Radfahrenden und Zufußgehenden. Die Auswertung zeigt, dass viele Verkehrsunfälle weiterhin durch Regelverstöße, Fehleinschätzungen oder Ablenkung verursacht werden.

Prävention und Verkehrssicherheitsarbeit
Neben Kontrollen setzt die Polizei im Rhein-Sieg-Kreis weiterhin stark auf Prävention und Aufklärung. Dazu gehören unter anderem:

   -	Verkehrserziehung in Kindertagesstätten und Grundschulen -	
Schulwegtrainings für Erstklässler -	Fahrradtrainings und 
Fahrradprüfung für Viertklässler -	Präventionsprogramme wie "Crash 
Kurs NRW" -	Schulungen zum Thema "Toter Winkel" -	Rad- und 
Pedelec-Trainings für Seniorinnen und Senioren

Allein bei Schulwegtrainings konnten im Jahr 2025 fast 4400 Erstklässler für Gefahren im Straßenverkehr sensibilisiert werden. Zudem wurden mehr als 3500 „Fahrradführerscheine“ an Grundschülerinnen und Grundschüler der vierten Klassen ausgestellt.

Verkehrsunfallnachsorge und Opferschutz
Die Polizei im Rhein-Sieg-Kreis legt einen weiteren Fokus auf die Verkehrsunfallnachsorge. Dabei bietet sie proaktive Unterstützung für Betroffene und Angehörige an.

Ziel bleibt: weniger schwere Verkehrsunfälle

Die Verkehrsunfallbilanz 2025 zeigt: Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle ist zwar gesunken, gleichzeitig steigt jedoch die Zahl der verletzten Menschen. Besonders ungeschützte Verkehrsteilnehmende, E-Scooterfahrende sowie Kradfahrende bleiben zentrale Zielgruppen der Verkehrssicherheitsarbeit.

Die Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis wird daher auch künftig verstärkt auf Prävention, Aufklärung und gezielte Verkehrsüberwachung setzen, um schwere Verkehrsunfälle zu reduzieren und die Sicherheit im Straßenverkehr nachhaltig zu verbessern.

Hinweis:
Die vollständige Verkehrsunfallbilanz 2025 der Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis sowie die Anlage finden Sie unter: https://rhein-sieg-kreis.polizei.nrw/artikel/verkehrsunfallstatistik (Re)

Rückfragen bitte an:
Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis
Pressestelle
Telefon: 02241/541-2222
E-Mail: pressestelle@polizei-rhein-sieg.de


Kreispolizeibehörde Rhein-Sieg-Kreis

Pressemitteilung vom 11. März ’26 um 11:17 h

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