Terpsichore

GROSSARTIGE HOMMAGE AN KEITH JARETT

Terpsichore begeistert im Kunsthaus Troisdorf zudem mit eigenen Stücken

Insofern machte es die belgisch-französische Band richtig, gar nicht erst zu versuchen, dem Original das Wasser reichen zu wollen. So interpretierten Pianist Fiorese und seine Kameraden Sylvain Debaisieux (Saxofon), Jordi Cassagne (Kontrabass), Théo Lanau (Schlagzeug) das Stück nach ihrer Lesart. Es mündete in eine ans Gemüt gehende Auslegung, die allein schon deshalb individuell war, als sie sich auf die Hälfte der Originallänge beschränkte. Etwa weil Terpsichore den feinnervigen Anfang mit Jarretts singender Holzflöte wegließ und auch die Alleinspiele von Klavier und Saxofon kürzte. In der Grundstruktur indes, auch hinsichtlich des Themas und der musikalischen Exegese hielt sich das Quartett an die Intentionen von Jarrett, Haden und Co. – dies auf hohem internationalen Niveau. So fesselte die Brillanz von Fioreses Anschlägen und das flirrend-grazile Perlen seiner Läufe. Und während Debaisieux bei vielen anderen Stücken sein Faible für den Free Jazz auslebte, kam sein Saxofon hier mit sonorem Schmelz daher. Bemerkenswert war Théo Lanaus Schlagzeugspiel. Selten war im Kunsthaus – was auch für den Rest des Programms galt – eine derart melodie-rhythmische Virtuosität zu hören, oft mit federleichten Wirbeln übers ganze Schlagwerk, fast liedhaft den Takt vorgebend.

Dass sich Terpsichore, wie es heißt, „um das Repertoire von Jarrett gegründet hat“, untertrich auch die zweite Reverenz an den Amerikaner. Denn im Hardbop-seligen „Rotation“ gab es ebenfalls Überfluss an solistischen Glanzpunkten, die gekrönt wurden, wenn etwa Lanau und Fiorese in einer irrwitzig-rasanten Unisono-Passage zusammenfanden.

Fioreses Kompositionen, neben „Big Sur“ sechs mit Zahlen versehene „Danses“ (2, 10, 11, 4, 3, 8) täuschten ob der bescheidenen Namensgebung über die musikalische Vielfalt hinweg. Ein ständiges Geben und Nehmen war das zwischen den Herren, mit einem nie ermüdenden Jordi Cassagne, der den schier endlosen Walking Bass genauso geduldig ausführte, wie er mit Bogen oder Solospiel glänzte. Das Quartett gewährte in einem berauschenden Spaziergang durch die Jazz-Genres tiefe Einblicke in technische und musikalische Vielfalt. Treibend rhythmischen Latin-Jazz, wie man es einst von Spyro Gyra kannte, brachte die Zugabe. Und ein völlig anderer Debaisieux verbeugte sich vor Jay Beckenstein: glasklare Intonation mit dem Sopransaxofon, rockig, liedhaft, mit überblasenem Jubel, der dem ganzen Abend galt. Die Ovationen des Publikums gab Geoffrey Fiorese mit viel Lob („We had an amazing time in Troisdorf. It was a real pleasure to meet you“) zurück: „Hopefully we can come again one day.“ Bitte gerne.

von Peter Lorber


Stadt Troisdorf
Pressemitteilung vom 02. März ’26 

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