Ein Troisdorfer Schüler, ein Troisdorfer Verein und eine Reise fürs Leben
13-jähriger Jaro reist mit Troisdorfer Hilfsverein nach Erzurum
– eine Geschichte über Vertrauen, Zusammenhalt und gelebte Integration
Troisdorf. Eigentlich sollte es ein ganz gewöhnliches Schülerpraktikum werden. Eine Woche lang wollte der 13-jährige Troisdorfer Schüler Jaro Nölke die Arbeit eines gemeinnützigen Vereins kennenlernen. Doch aus dem geplanten Praktikum wurde eine Reise, die er wohl sein Leben lang nicht vergessen wird – und eine Geschichte, die inzwischen weit über Troisdorf hinaus Aufmerksamkeit erregt.
Gemeinsam mit dem ebenfalls in Troisdorf ansässigen Verein Hamd Evi Haus der Dankbarkeit e.V. reiste Jaro im September in die türkische Stadt Erzurum. Dort half er drei Tage lang bei der Verteilung von Schulranzen, Schreibmaterialien und kleinen Geschenken an Kinder in Dorfschulen.
Für den Achtklässler war es nicht nur sein erstes Praktikum dieser Art, sondern auch seine allererste Flugreise.
Eine ungewöhnliche Idee aus Troisdorf
Angefangen hatte alles mit einer einfachen Anfrage. Jaros Mutter suchte für ihren Sohn einen Platz für das vorgeschriebene einwöchige Schülerpraktikum und wandte sich an den Troisdorfer Hilfsverein Hamd Evi Haus der Dankbarkeit e.V.

Der Vereinsvorsitzende Abdulrahman Köylüoglu stellte fest, dass die Praktikumswoche genau mit einem geplanten Schulprojekt in Erzurum zusammenfiel.
Daraufhin machte er der Familie einen ungewöhnlichen Vorschlag: Warum sollte Jaro die Vereinsarbeit nur in Troisdorf kennenlernen, wenn er sie auch direkt vor Ort erleben könnte?
Die Eltern überlegten, stimmten schließlich zu und übernahmen die Reisekosten ihres Sohnes.
Für Köylüoglu war diese Entscheidung etwas Besonderes.
„Den Vorschlag hatte ich selbst gemacht. Aber je näher die Reise kam, desto mehr wurde mir bewusst, welche Verantwortung wir damit übernehmen“, erinnert er sich.
Schließlich ging es nicht um einen gewöhnlichen Ausflug. Eine Familie vertraute dem Verein ihren 13-jährigen Sohn für eine Reise in ein anderes Land an.
Wenn Schulmaterialien Kinderaugen zum Leuchten bringen
In Erzurum begleitete Jaro das Team bei seinen Besuchen in mehreren Dorfschulen. Er half beim Tragen der Materialien, unterstützte die Verteilung und übergab den Kindern persönlich ihre neuen Schulranzen.
Besonders beeindruckte ihn die Freude der Kinder.
Sie öffneten neugierig ihre Schultaschen und Geschenktüten, zeigten sich gegenseitig die Inhalte und konnten ihre Begeisterung teilweise kaum zurückhalten.

„Die Kinder hier freuen sich so sehr über Schulsachen, die für uns selbstverständlich sind“, sagte Jaro während des Projekts.
Obwohl Jaro kein Türkisch sprach und viele der Kinder kein Deutsch verstanden, fanden sie schnell Wege, miteinander zu kommunizieren.
Ein Lächeln, eine Geste oder ein gemeinsames Lachen reichten oft aus.
Nach den Projekttagen lernte Jaro auch Erzurum und Istanbul kennen. Aus seinem ersten Flug wurden innerhalb weniger Tage insgesamt vier Flüge.
Eine Troisdorfer Geschichte über Vertrauen
Für den Vereinsvorsitzenden liegt die besondere Bedeutung dieser Reise jedoch nicht allein in den Erlebnissen in der Türkei.
„Mich bewegt vor allem, welches Vertrauen uns Jaros Familie entgegengebracht hat“, sagt Köylüoglu.
Die Familie und der Verein kannten sich zuvor kaum. Trotzdem entschieden sich die Eltern, ihren Sohn mit einer gemeinnützigen Organisation auf eine ungewöhnliche Auslandsreise zu schicken.
Für Köylüoglu ist das ein Beispiel dafür, wie gut das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland funktionieren kann.
„Wir sprechen in Deutschland sehr viel über Integration. Häufig stehen dabei Probleme, Konflikte oder Schwierigkeiten im Mittelpunkt. Aber es gibt auch unzählige positive Beispiele, die im Alltag ganz selbstverständlich stattfinden und über die viel zu selten gesprochen wird.“
Genau das sei für ihn die eigentliche Botschaft dieser Geschichte.
„Eine deutsche Familie vertraut einem Verein, der von Menschen mit Migrationsgeschichte geprägt ist, ihren Sohn an. Wir übernehmen gemeinsam Verantwortung, und am Ende entsteht daraus für alle Beteiligten etwas unglaublich Schönes. Das ist für mich gelebte Integration.“
Dabei sei die Reise niemals als Integrationsprojekt geplant gewesen.

„Wir wollten Jaro einfach unsere Arbeit zeigen. Dass daraus eine solche Geschichte über Vertrauen und Zusammenhalt geworden ist, macht mich besonders glücklich.“
Ein Empfang mit einer besonderen Ehrenurkunde
Als die Gruppe nach Deutschland zurückkehrte, wartete Jaros Familie am Flughafen Köln/Bonn.
Die Eltern bedankten sich bei Köylüoglu und dem Verein mit Geschenken und einer selbst gestalteten Ehrenurkunde.
Darauf stand: „Für das Praktikum, das zu einer Reise fürs Leben wurde.“

Für Köylüoglu war dies einer der bewegendsten Momente der gesamten Woche.
„Wenn ich heute darauf zurückblicke, fühlt sich diese Reise fast wie ein kleines Märchen an. Wir wollten Jaro eine besondere Erfahrung ermöglichen. Am Ende hat sie auch uns als Verein sehr viel gegeben.“
Von Troisdorf bis in die türkische Presse
Inzwischen sorgt die Geschichte auch außerhalb Troisdorfs für Aufmerksamkeit.
Der Kölner Stadt-Anzeiger/Rhein-Sieg-Anzeiger und die Kölnische Rundschau haben bereits darüber berichtet. Auch türkischsprachige Medien griffen die Geschichte auf.
Am 8. Oktober erschien ein Bericht über Jaros Praktikum sogar auf der Titelseite der Europa-Ausgabe der türkischen Tageszeitung Türkiye Gazetesi.
Für den 9. Oktober ist zudem eine Veröffentlichung im General-Anzeiger Bonn angekündigt. Auch Radio Bonn/Rhein-Sieg beschäftigt sich mit der Geschichte und hat einen Besuch beim Verein geplant.
Köylüoglu freut sich besonders darüber, dass die Medien nicht nur das Hilfsprojekt wahrnehmen, sondern auch die menschliche Seite der Geschichte.
„Natürlich freuen wir uns, wenn unsere Vereinsarbeit Aufmerksamkeit bekommt. Aber noch viel mehr freut mich, dass eine positive Geschichte über das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft so viel Interesse findet.“
Gemeinsam etwas Gutes bewegen
Für Hamd Evi Haus der Dankbarkeit e.V. war Jaros Auslandspraktikum eine außergewöhnliche Erfahrung, die aufgrund der großen Verantwortung kein regelmäßiges Praktikumsangebot werden soll.
Die Erinnerung daran wird jedoch bleiben.
Und vielleicht auch eine Botschaft, die weit über diese eine Reise hinausreicht:
Gutes Zusammenleben entsteht nicht nur durch große Programme oder politische Diskussionen. Manchmal beginnt es ganz einfach damit, dass Menschen einander vertrauen.
In diesem Fall begann es in Troisdorf – mit einer Mutter, die für ihren Sohn einen Praktikumsplatz suchte, und einem Verein, der eine ungewöhnliche Idee hatte.Weitere Informationen zum Verein Hamd Evi Haus der Dankbarkeit e.V.: https://hamdevi.org/
Hamd Evi Haus der Dankbarkeit e.V.
Pressemitteilung vom 08. Oktober ’26 um 10:34 h






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