Superintendentin zur Jahreslosung 2021

Superintendentin zur Jahreslosung 2021:
Seid barmherzig

Siegburg. „Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ So lautet die Jahreslosung 2021. Der Beitrag von Superintendentin Almut van Niekerk dazu im Wortlaut: 

Erst geht es um die Feindesliebe. Mit den ganz großen Zumutungen konfrontiert uns Jesus: „Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.“

Machen Sie sich doch bitte mal die Mühe und suchen Menschen in Ihrer Biographie, auf die die drastische Beschreibung (annähernd) passt: Wer hasst mich? Wer beleidigt mich?

Wer sich dann noch traut, das entsprechende Gefühl dazu nachzuempfinden, wird merken, wie schwer es fällt, sich für genau diese Menschen bewusst liebevolle Worte und Taten zu überlegen. Das Miteinander mit Feinden kann echt verzwickt sein.

Nach diesem Paukenschlag geht es weiter in der sogenannten Feldrede Jesu, aufgeschrieben im Lukas-Evangelium. Jesus wendet sich in seiner Botschaft dem „Umgang mit dem Nächsten“ zu. Merken Sie auch ein leichtes Ausatmen bei sich? Hier geht es um die Nächsten. Das ist vertrauteres Gelände… Es geht um die Familie, die Kolleg:innen, die Nachbarschaft.

Unter dieser Überschrift „Umgang mit dem Nächsten“ steht die Jahreslosung für das Jahr 2021. Das konnten diejenigen aus der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) ja nicht wissen, als sie vor drei Jahren diesen Vers ausgewählt haben. Sie konnten ja nicht ahnen, dass uns dieser Vers in das nun schon zweite Pandemie-Jahr mitgegeben wird. Nach zehn Monaten Beschränkung auf die engsten Angehörigen und auch sonst reduzierte Kontakte haben wir unsere „Nächsten“ sehr klar im Blick. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lk 6,36)

Barmherzig miteinander zu sein, ja, das stand von Anfang an oben auf der Tagesordnung seit dem Beginn des Ringens um den besten Weg in Corona-Zeiten. Niemand von uns hat so etwas schon erlebt. Wie kommen wir am besten hindurch? Wie bewältigen wir das? Wer braucht besondere Fürsorge? Im direkten Miteinander, aber auch als Gesellschaft, war und ist das nicht einfach und manche Besserwisserei ist schwer zu ertragen. Seid barmherzig miteinander, sagt Jesus.

Im Blick zurück auf das Jahr 2020 passt das sehr gut, denn wir wissen genau, dass wir uns im Miteinander manches vergeben müssen. So viel Zeit miteinander auf engem Raum als Familie, so viel Neu-Organisiererei auf der Arbeit, so viel Enttäuschung über liebevoll Geplantes, aber dann doch Ausgefallenes! Es schmerzt, nicht miteinander im Chor singen zu können und die Freundin in den Arm zu nehmen. Es macht schlicht enorme Angst, nicht abschätzen zu können, wie es wirtschaftlich weitergeht. Wer von uns war da immer gelassen und freundlich?

Barmherzig miteinander zu sein, gibt uns die Jahreslosung als Devise mit für das Neue Jahr. Die alten Herausforderungen begleiten uns noch weiter. An allerlei haben wir uns zwar gewöhnt. Für manches aber sind keine Nerven mehr übrig.

Hilft da ein Appell? Wäre nicht ein tröstliches Wort besser?

Jesus nimmt uns ernst und traut uns viel zu. So leicht wie er die Linie für die Feindesliebe vorgibt, so selbstverständlich erscheint ihm die schlichte Begründung „wie auch euer Vater barmherzig ist“. Das bedeutet: von Gott lernen, großzügig zu sein und nicht aufzurechnen, was der andere mir schuldig geblieben ist. Selbstkritisch bleiben und dankbar für das viele Gute.


Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein

Pressemitteilung Nr. 125/2020 vom 31. Dezember 2020, 13:41 h

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