Mein schönster Tag am Rotter See

Mein schönster Tag am Rotter See

Viele Besucher vom Rotter See werden zu Hause entdecken, dass sie versehentlich wichtige Wertgegenstände am Ufer verloren haben. Keine Sorge, sie können sie jetzt wieder abholen. Spaß beiseite.

Auf die Idee, den Müll zu sammeln, kam ich, als eine Frau sich lauthals beklagte über den unbändigen Dreck, den die Gänse hinterlassen. Gerade hatte sie wütend einen  Kronkorken weggeworfen. Dumm nur, dass sie wenig später in einen derselben trat. Sie jaulte. 

Dann sah ich eine hinkende Gans. Sie wurde die Schnüre eines Boots nicht mehr los. Ein netter Mann versuchte, sie davon zu befreien .

Jemand scheint diesen Notstand geahnt zu haben. Er hatte fürsorglich seinen gesamten Plastikmüll am Strand deponiert. Dankbar für die Tüte, begannen wir unseren Spaziergang am Strand.

Foto: privat

Was Sie hier sehen, ist das Ergebnis von drei Pippi Langstrumpf Sachensuchern in einer Stunde. Die Menschen um uns her guckten ziemlich komisch. Sie fühlten sich angegriffen, so als ob wir Ihnen etwas wegnehmen würden. Aber plötzlich standen zwei auf und machten lachend mit. Die Gänse  schienen zu grinsen.

Die Kronkorken-Frau, die sich in der Zwischenzeit mit vielen Dezibel über diese „verdammten Drecksalgen“ im Wasser beklagt hatte, entdeckte dann verspätet ihre Tierliebe. Sie begann, ihre Toastreste an die Tiere zu verfüttern. Der nette Mann erklärte ihr, dass genau das der Grund sei, weshalb die kanadischen Wildgänse opulent viel Verdauung am Strand verteilten. Genau die Kacke also, über die sie sich so unüberhörbar beschwere. Der Dreckskerl solle sie doch einfach in Ruhe lassen!

Der Rotter See. Mensch & Mensch und Natur im Einklang. Mein schönstes Ferienerlebnis und ich. Weil das Ganze an einem Freitag stattfand, erlaube ich mir, das ganze Fridays for Rottersee zu nennen.

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Die Stadt kann nichts dafür und dagegen tun, dass Wiese und Pflanzen und Bäume durch die Hitze im Laufe des Klimawandels kaputtgehen, nichts, dass der Wasserstand erbärmlich sinkt und die Algen den letzten Sauerstoff fressen, so dass lebendige Fische bequem zu zählen sind, dass der Vandalismus zunimmt und die Hinweisschilder für die Achtung gegenüber Vögeln demoliert sind. O.k., sie kann durchaus Toiletten auf der geduldeten Chaos-Parkfläche aufstellen, aber keine Behindertenparkplätze einrichten, weil dazu Voraussetzungen und Befugnis durch die Ämter (Straßenbau / Verkehr und Umwelt / Grünflächenamt) fehlen. Es wären keine ordnungsgemäßen Parkplätze. Die behinderten Kinder und Jugendlichen, die es bis zum See geschafft hatten, also die, die motorisch dazu in der Lage sind, haben Müll gesammelt. Wir hätten gerne die Feuerwehr gebeten, doch einmal eine Übung zu machen: Wasser aufzusaugen und mit Sauerstoff wieder zurück in den See zu katapultieren. Ich hätte so gerne, wie in den letzten Jahren, Fische entdeckt…

So ist es aber beim Müllsammeln geblieben. Wir behinderten Menschen sind auch für was gut, nicht wahr? Auch wenn wir keinen Parkplatz wert sind. Nein, natürlich kann man auf einer nur geduldeten Wiese, auf der jeder parken darf, der dazu in der Lage ist, uns übersehen. Die, die mit den Rollstühlen nicht vorwärts kamen, konnten leider nur nachhause gebracht werden, wenn sie nicht im Auto schwitzen wollten. Ich bin zwar gehbehindert und sehbehindert und motorisch eingeschränkt, aber klar im Vorteil in Troisdorf am verrotternden See. 

Joscha, w, 15 Jahre alt, Autistin und trotzdem ein Mensch

Eingereicht am 16. August 2019, 01:49 h

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