Kreiskonferenz der AWO Bonn/Rhein-Sieg

Kreiskonferenz der AWO Bonn/Rhein-Sieg:
Kontinuität an der Spitze – sozialpolitische Initiativen für bezahlbares Wohnen und gegen Kinderarmut

Troisdorf – Auf ihrer Kreiskonferenz, dem alle vier Jahre tagenden höchsten Beschlussgremium der AWO Bonn/Rhein-Sieg e.V., haben Delegierte aus den 27 AWO-Ortsvereinen am vergangenen Samstag (12.10.2019) die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Verbands gestellt. Bei der Zusammenkunft im Bürgerhaus Spich wurde nicht nur der Kreisvorstand neu gewählt, es wurden auch wichtige sozialpolitische Grundsatzbeschlüsse gefasst.

Im öffentlichen Teil der Versammlung am Vormittag begrüßte Kreisvorsitzender Heinz-Willi Schäfer neben den Delegierten zahlreiche Gäste aus der AWO-Familie, aus Sozialverbänden, Verwaltung und Politik. In den anschließenden Grußworten lobte Gabriele Klingmüller, Bürgermeisterin der Bundesstadt Bonn, die AWO als verlässlichen Partner bei der Erfüllung dringend benötigter sozialer Dienstleistungen. Stellvertretend für den verhinderten Landrat überbracht die 1. Stellvertretende Landrätin des Rhein-Sieg-Kreises, Notburga Kunert, die Grüße des Kreises, gratulierte der AWO zu ihrem 100-jährigem Jubiläum in diesem Jahr und lobte besonders das ehrenamtliche Engagement, das die Gesellschaft zusammenhalte. Rudolf Eich, stellv. Bürgermeister der Stadt Troisdorf, der selbst AWO-Mitglied im Ortsverein Oberlar ist, kritisierte in seinem Grußwort die aktuelle Flüchtlingssituation im Mittelmeer und die Kriminalisierung der Seenotrettung. Erst unlängst hatte sich die AWO Bonn/Rhein-Sieg mit anderen Wohlfahrtsverbänden für die Aktion „Sichere Häfen“ eingesetzt.

Die Verdienste von AWO-Gründerin Marie Juchacz rief Beate Ruland in Erinnerung, die Vorsitzende des Präsidiums der AWO Mittelrhein. Frauenrechte und gesetzliche verbriefte Teilhabechancen für alle Menschen seien für sie starke Motive gewesen – getreu ihrem Motto: „Der Starke soll mit Einstehen für den Schwachen.“ Dabei würdigte Ruland die AWO Bonn/Rhein-Sieg mit ihren mehr als 5.100 AWO-Mitgliedern als starken Mitgliederverband, wies aber auch auf die neuen Herausforderungen für Vereine und Verbände durch einen Wandel des Ehrenamts hin.

Als praktisches Beispiel für eine starke AWO stand nicht zuletzt der gastgebende Ortsverein Spich. Die Ortsvereinsvorsitzende Renate Buschky verwies in ihrem Grußwort auf die inzwischen über 500 Mitglieder des Ortsvereins – fast eine Verfünffachung in den vergangenen rund drei Jahrzehnten.

Die zentrale Rede der Versammlung hielt Sebastian Hartmann, MdB für den Rhein-Sieg-Kreis und Vorsitzender der NRWSPD. Sein eindringlicher Appell zielte auf die Wiederbelebung einer gerechten und solidarischen Gesellschaft, in der weniger Ellenbogen und mehr Mitmenschlichkeit gefragt seien. Dabei spannte Hartmann einen Bogen vom Kampf gegen die Bodenspekulation, die nicht mehr als leistungsloses Einkommen sei, bis hin zum Kampf gegen Rechts, der es erforderlich mache, dass die demokratischen Kräfte selbst die dringendsten Probleme mit Hilfe eines starken Staats anpackten. Dazu, so Hartmann unter Applaus der Delegierten, müsse man auch die Kommunen von der drückenden Schuldenlast befreien, da sie deren Handlungsfähigkeit zunehmend behindere.

Prof. Dr. Gerhard Nägele vom Institut für Gerontologie der TU Dortmund zeigte in einem wissenschaftlichen Fachvortrag die Bedeutung von einer leistungsfähigen Infrastruktur und von altersgerechtem Wohnraum auf. Beides gewinne gerade im ländlichen Raum zunehmend für die Entwicklung eines lebenswerten Umfelds an Bedeutung.

Am Nachmittag schloss sich der verbandsinterne Teil der Kreiskonferenz an. Dabei zeigten sich die Delegierten mit dem Bericht des Kreisvorstands sowie dem Geschäftsbericht von Kreisgeschäftsführer Franz-Josef Windisch hochzufrieden, entlasteten Vorstand und Geschäftsführung einstimmig und wählten sowohl den Vorsitzenden Heinz-Willi Schäfer als auch seine Stellvertreter Martina Buhr, Kornelia Ebert und Heinz Willi Ruiters jeweils mit großer Mehrheit wieder.

Fotos: AWO Bonn/Rhein-Sieg

Veränderungen ergaben sich durch das Ausscheiden einiger bisheriger Vorstandsmitglieder bei den Beisitzern: Neben der Wiederwahl von Jürgen Hanke, Ingo Holdorf, Reinhold Krüger, Bernhard Switaiski, Erwin Josef Thiebes und Ursula Toerkel verstärken nun Birgit Biegel aus dem Ortsverein Troisdorf-Oberlar, die Bornheimer Sozialdezernentin und Bonner SPD-Oberbürgermeisterkandidatin Alice „Lissi“ von Bülow, der Hennefer Ratsherr und stellvertretende Bürgermeister Jochen Herchenbach sowie die Königswinterer AWO-Vorsitzende Hannelore Sander den Vorstand. Zu Kreisrevisoren wurden Hermann Allroggen, Frieder Reusch und Wolfgang Herling gewählt. 

Mit breitester Mehrheit verabschiedeten die Delegierten überdies die vorliegenden Anträge. Unter dem Titel „Zusammen leben in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis – Den Wohnungsmarkt in der Region sozial gestalten“ fordert die Arbeiterwohlfahrt nicht nur ein Ende der Bodenspekulation sondern auch eine aktivere Rolle der Kommunen bei der Entwicklung von preiswertem Wohnraum. Mit der Maßgabe „Teilhabe ermöglichen, Kinderarmut wirksam bekämpfen – Kindergrundsicherung jetzt einführen!“ schließt sich die AWO Bonn/Rhein-Sieg aktuellen Forderungen an, im Angesicht von Benachteiligungen von Kindern aus armen Familien die Hilfen zu bündeln zu einer wirksamen und endlich auch in der Höhe angemessenen Grundsicherungsleistung.

Heinz-Willi Schäfer, wiedergewählter Vorsitzender, zeigte sich mit den Ergebnissen der Kreiskonferenz sehr zufrieden: „Ich freue mich sehr über das große Vertrauen, das mein Vorstandsteam und ich erhalten haben! Darüber hinaus hat sich die AWO Bonn/Rhein-Sieg als ein lebendiger und diskussionsfreudiger Verband gezeigt, der mit ebenso großer Leidenschaft wie Einigkeit für unsere wichtigen sozialpolitischen Anliegen einsteht. Das ist wichtig, denn unsere Gesellschaft braucht meiner Überzeugung nach beides: Eine leistungsfähige und gut aufgestellte AWO als Partner in der Wohlfahrtspflege und als Erbringer sozialer Dienstleistungen. Die AWO Bonn/Rhein-Sieg ist aber auch ein vitaler Mitgliederverband, der mit aller Kraft für sozialpolitische Grundsätze streitet. Dass dies in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis so bleibt, dafür hat die Konferenz eine gute Basis gelegt.“


AWO Bonn/Rhein-Sieg

Pressemitteilung vom 14. Oktober 2019, 13:16 h

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.