Frauen am Arbeitsmarkt gleichberechtigt fördern

Geflüchtete Frauen am Arbeitsmarkt gezielt und gleichberechtigt fördern.

 

Siegburg, 18.  Juni 2020. Trotz hoher Motivation, beachtlicher Berufserfahrung und uneingeschränkter Erlaubnis zu arbeiten, stehen geflüchtete Frauen vor erheblichen Barrieren, die ihnen den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt erschweren. Das muss sich ändern, fordert die Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege (LAG) NRW in ihrem neuesten Arbeitslosenreport.

 

Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) bezogen Ende 2019 im Rhein-Sieg-Kreis knapp 1.707 geflüchtete Frauen im erwerbsfähigen Alter Hartz-IV-Leistungen, aber nur 122 wurden mit einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme gefördert. Geflüchtete Frauen sind laut Arbeitslosenreport im Vergleich zu geflüchteten Männern bei der arbeitsmarktpolitischen Förderung deutlich unterrepräsentiert. Der Frauenanteil der Teilnehmenden in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen im Rhein-Sieg-Kreis beträgt lediglich  22,1 Prozent.

 

Das ist deutlich weniger als es dem Anteil der Frauen an den Arbeitslosen im Rhein-Sieg-Kreis (35,7 Prozent) zufolge sein müsste. „Die BA muss sich offensichtlich stärker anstrengen, um Gleichberechtigung bei der Förderung in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen für geflüchtete Frauen herzustellen“, fordert Patrick Ehmann, Sprecher der Freien Wohlfahrtspflege im Rhein-Sieg-Kreis und Geschäftsführer des Diakonischen Werkes des Evangelischen Kirchenkreises An Sieg und Rhein.


Damit sie überhaupt arbeiten oder sich qualifizieren können, brauchen viele geflüchtete Frauen bedarfsorientierte und flexible Angebote der Kinderbetreuung und Bildungs- und Qualifizierungsangebote in Teilzeit. Im Rhein-Sieg-Kreis lebten im Dezember 2019 knapp 1.272 von insgesamt 1.707 geflüchteten Frauen in einer SGB-II-Bedarfsgemeinschaft mit einem oder mehreren Kindern. Nach Einschätzung der Freien Wohlfahrtspflege ist es wichtig, Arbeitsmarktintegration stärker als bisher als systemischen Prozess zu betrachten. Konkret heißt das, den Blick nicht nur auf eine zu fördernde Einzelperson zu richten, etwa eine geflüchtete Frau, sondern auch deren soziales Umfeld mit in den Blick zu nehmen, etwa den Lebenspartner und die Familie. „Gerade wenn es um Rollenbilder und Geschlechterstereotype geht, lernen Kinder von ihren Eltern. Deshalb ist es wichtig, die zu uns geflüchteten Frauen schon heute auf ihrem Weg zu mehr selbstbestimmter Teilhabe am Arbeitsleben zu unterstützen. Dann lernen das gleich auch die Kinder für ihre eigene Zukunft“, sagt Patrik Ehmann.

 

„Es ist übrigens ein Vorurteil und daher falsch, geflüchteten Frauen pauschal fehlende Bildung und mangelnde Kompetenzen zu unterstellen, warnt Ehmann und kritisiert die Datenbasis der BA. In der Statistik fehlten im Rhein-Sieg-Kreis bei 36,8 Prozent der geflüchteten Frauen Angaben zum Schulabschluss. „Hier muss dringend noch einmal genau hingeschaut und ggf. in den Erfassungsunterlagen nachgebessert werden“, fordert Ehmann. „Wir wissen aus der Praxis unserer Dienste und Einrichtungen, dass viele geflüchtete Frauen aus ihren Herkunftsländern durchaus beachtliche Berufserfahrung mitbringen. Die werde jedoch im hochdifferenzierten und stark segmentierten deutschen System der beruflichen Bildung oft nicht anerkannt“, so der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes An Sieg und Rhein.

 

Hintergrund:

Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamts. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz.


Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein

Pressemitteilung Nr. 74 vom 18. Juni 2020, 16:53 h

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