Ein Desaster

Erklärung von Superintendentin Almut van Niekerk zu Afghanistan

 Ein Desaster

 
Ein menschengemachtes Unglück, eine absehbare Katastrophe. Diese Worte fallen mir ein für die Situation in Afghanistan, wenn ich die Nachrichten ansehe. Die Bilder der Explosionen vor dem Flughafen Kabul, die Anschläge mit vielen Toten und schwer Verletzten, zeigen, was den Menschen in Afghanistan und uns allen an Gewalt durch Terroristen bevorsteht.

Mir fallen aber auch solche Worte ein: kollektives Versagen. Schlagzeilen wie die von versehentlich in Botschaften hinterlassenen sensiblen Daten erschüttern mich. Wie kann so etwas passieren? Was werden die Folgen für die Betroffenen sein? Bezahlen sie diese Unachtsamkeit mit ihrem Leben?

Die Verantwortlichen in unserem Diakonischen Werk An Sieg und Rhein erzählen von den Anrufen verzweifelter Menschen aus unserer Region. Sie haben Freunde und Verwandte in Afghanistan, warten oft schon seit Jahren auf die Visumserteilung und verzweifeln an der deutschen Bürokratie. Nun hat sich das Fenster geschlossen. Die Evakuierungsflüge sind vorerst beendet.

Es bleiben zurück: die Mitarbeitenden aus Nicht-Regierungs-Organisationen, die versucht haben, Bildungschancen zu erhöhen, Journalist*innen, Menschenrechtsanwält*innen, Ortskräfte der Bundeswehr, Bürgermeisterinnen und viele andere Frauen, die genau wissen, was ihnen bevorsteht, wenn sie nicht entkommen können.

Es ist eine komplexe und fast ausweglose Situation, die unsere Solidarität erfordert, unser Mitgefühl, unser Gebet, unsere Stimme. Ich wünsche mir sehr, dass es uns gelingen wird, noch viele Schutzbedürftige bei uns aufzunehmen und in dieser Tragödie wenigstens einige Zeichen der Nächstenliebe zu setzen.


Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein

Pressemitteilung Nr. 86 vom 27. August 2021, 13:53 h

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