Diakonie-Jubiläum

Empfang zum Diakonie-Jubiläum
Glückwünsche für einen konstruktiven verlässlichen Partner

Der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Sebastian Schuster, gratulierte herzlich zum Jubiläum, bezeichnete das Geburtstagskind als konstruktiven wichtigen Partner und versicherte: „Die Zusammenarbeit wird fortgeführt und fortentwickelt.“ Die Diakonie An Sieg und Rhein hat mit einem Empfang in der Troisdorfer Stadthalle ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert.

Landrat Sebastian Schuster Foto: Meike Böschemeyer

In einem weiteren Grußwort dankte Troisdorfs Bürgermeister Alexander Biber der Diakonie für ihr Wirken: „Dass wir ein funktionierender Sozialstaat sind, haben wir auch Ihnen zu verdanken.“ Allerdings werde die Arbeit nicht weniger: „Wie wir helfen, diese Frage stellt sich immer wieder neu.“ Reiner Mathes vom Paritätischen, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände im Rhein-Sieg-Kreis, dankte der Diakonie als „sehr verlässlichem Partner“ und für ihre wertvolle Arbeit.

Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL), grüßte per Video: „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde, so heißt es in der Bibel. Sie haben sich das zu eigen gemacht.“ Er griff eines der Arbeitsfelder auf: „Gerade in dem für den ländlichen Bereich einmaligen Angebot eines Drogenkonsumraums wird deutlich, dass Sie niemanden abweisen.“

Patrick Ehmann, Geschäftsführer der Diakonie An Sieg und Rhein Foto: Meike Böschemeyer

Geschäftsführer Patrick Ehmann:
Sehr große Sorgen wegen der Haushalts- und Energiekosten-Krise
Wie dicht beieinander die Sorgen der Menschen in den Gründerjahren der Diakonie An Sieg und Rhein sowie heute liegen, wurde deutlich in den Rück- und Ausblicken von Diakonie-Geschäftsführer Patrick Ehmann. 1947 war die Not groß, Menschen wussten kaum, wie sie im Winter heizen könnten. Eine große Menge Geflüchteter aus dem Osten galt es zu versorgen.

Heute habe die Diakonie in der Flüchtlingsarbeit im Rhein-Sieg-Kreis dicke Bretter zu bohren, sprach Ehmann Auseinandersetzungen insbesondere um Abschiebungen an. Die Zahl der Klient*innen, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, steigt. Die wachsende Haushalts- und Energiekosten-Krise „macht mir sehr große Sorgen“, betonte Ehmann. 

Schmackhaft machte er den rund 150 Gästen aus Politik und Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden und Kirche die Entwicklung einer integrierten hybriden Beratung. Weil die Lebenslagen der Menschen komplexer werden, weil sich mehr Menschen gleich mit mehreren Problemen herumschlagen, gelte es, Ratsuchende nicht länger von Hilfe zu Hilfe zu verweisen. Vielmehr soll die Hilfe zu den Menschen kommen, soll sie gegebenenfalls auch digital zugeschaltet werden. Die „Versäulung im Sozialwesen“ müsse überwunden werden. Ehmann rechnet dafür mit Entwicklungskosten von rund 1,5 Millionen Euro.

(v.l.) Bernd Weede, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Bonn/Rhein-Sieg, Heinz-Willi Schäfer, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg, Ulrich Hamacher, Geschäftsführer der Diakonie Bonn und Region, Jean-Pierre Schneider, Caritasdirektor Bonn, Barbara König, Kreisgeschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt Bonn/Rhein-Sieg, Superintendentin Almut van Niekerk, Vorstandsvorsitzende der Diakonie An Sieg und Rhein, Alexander Biber, Bürgermeister der Stadt Troisdorf, und Patrick Ehmann, Geschäftsführer der Diakonie An Sieg und Rhein Foto: Meike Böschemeyer

Vorstandsvorsitzende Almut van Niekerk: „Märchen und Tagesthemen“
Mit einer Mischung aus „Märchen und Tagesthemen“ hatte die Vorstandsvorsitzende der Diakonie An Sieg und Rhein, Superintendentin Almut van Niekerk, den Empfang eröffnet. In ihrem geistlichen Impuls griff sie die alttestamentliche Geschichte von Noomi und ihrer Schwiegertochter Rut auf und machte damit deutlich, „was uns in der Diakonie trägt: der Glaube an den einen Gott“.

Noomi und Rut sind Migrantinnen, sind verarmt, doch dann finden sie überraschenderweise Hilfe, Unterstützung und Rut sogar noch einmal die große Liebe. Superintendentin van Niekerk: „Die Diakonie bietet nicht viele Traummänner, aber Hilfe und Engagement.“


Festvortrag – KI weder verteufeln noch kritiklos bewundern
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Thema, „dem wir uns stellen und das wir gestalten müssen“. Hier gebe es viel Nachholbedarf und noch viel zu lernen. Immerhin verspricht KI in der sozialen Arbeit großen Nutzen und Verbesserung der Lebensqualität. Das erklärte Prof. Dr. Jörg Kopecz in seinem Festvortrag. Der Diplom-Physiker, Evangelische Theologe und Professor für Unternehmensführung und digitales Transformationsmanagement (Bonn) warnte vor Verteufelung von KI – ebenso wie vor kritikloser Bewunderung. 

KI lerne aus der Welt der Daten, lebe von den Datenspuren, die wir selbst hinterlassen. Wenn beispielsweise Google nach Hautfarben bewertet – positive Attribute für Weiße, negative für Schwarze -, dann ist das rassistische KI. Vorurteile aus Daten herauszunehmen, erfordere Datenmanipulation: „Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera.“ Wichtig sei, Entscheidungen nicht nur an KI zu delegieren, Herzensbildung miteinzubringen und „kompetent mit den Systemen umzugehen“.


„Da muss mindestens eine Katze drauf“
Und dann erschien schrill, energisch und phantastisch selbstbewusst „Chantalls Mutter“ alias Susanne Hermanns. Die Kabarettistin spielte eine Klientin und erklärte, „wie wir denken und was wir brauchen“. So erzählt sie, wie sie für ihre fünfköpfige Familie einkaufen will und auf Preise stößt, „die sich doch kein Mensch mehr leisten kann“. Um auf einen grünen Zweig zu kommen, bewirbt sie sich – bei der Diakonie! Sie sei für den Job bestens qualifiziert – denn „ich habe quasi alle Abteilungen durchlaufen“. Komplexe Lebenslagen eben: Chantalls Mutter hat in den zurückliegenden Jahren Hilfe bei der Schwangerenberatung bekommen, bei der Suchthilfe, im Sozialpsychiatrischen Zentrum. „Ich bin quasi der Prototyp.“ 

Nun möchte sie bei der digitalen Transformation mithelfen. „Und ich hätte da direkt ein paar Verbesserungsvorschläge.“ Wenn die mobile Jugendarbeit in Sozialen Medien Mohrrüben und Äpfel postet – weil sie gesund sind, geschieht das tatsächlich -, dann kann das nichts werden mit der Follower-Zahl, doziert Chantalls Mutter. „Da muss mindestens eine Katze drauf!“


Evangelischer Kirchenkreis An Sieg und Rhein

Pressemitteilung Nr. 82 vom 17. August 2022, 11:18 h

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