Interview mit dem Stadthistoriker Peter Haas zur Autorenlesung

ZiTi informiert:
ZiTi-Botschafter-Interview mit dem Stadthistoriker Peter Haas zur Autorenlesung am 19. März in der Mayerschen Buchhandlung Troisdorf

AUF DEM WEG IN DIE ZUKUNFT IST DIE ERINNERUNG UNVERZICHTBAR

Peter Haas war seit 1968 Lehrer in Troisdorf, leitete von 1978 bis 1988 die Realschule Oberlar und von 1988 bis 2002 die Gesamtschule Europaschule Troisdorf. Von 1977 bis 1999 war er Stadtverordneter, von 1975 bis 1996 Ortsvorsteher von Alt-Troisdorf und Anfang der 90er-Jahre auch drei Jahre stellvertretender Bürgermeister. Als Stadthistoriker ist er heute im Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf aktiv und blickt auf eine Anzahl historisch geprägter Veröffentlichungen und Bücher zurück. Jüngste Publikation: „Troisdorf – Ein Band Buntes, Geschichten und Anekdoten“, Wartberg Verlag 2015. Peter Haas wird daraus am 19. März um 17 Uhr in der Mayerschen Buchhandlung, Kölner Str. 13, in Troisdorf lesen.

Stadthistoriker Peter Haas  Foto: Stadt Troisdorf

Stadthistoriker Peter Haas
Foto: Stadt Troisdorf

Herr Haas, warum haben Sie sich als Botschafter der ZiTi-Kampagne zur Verfügung gestellt?

Weil ich dazu beitragen möchte, in diesem Erneuerungsprozess den Blick auf die gewachsenen Strukturen in der Innenstadt unseres mehr als 1000 Jahre alten Ortes zu lenken. Troisdorf modernisiert seine Innenstadt. Das ist sicher notwendig, denn ein Zentrum kann nur mit zeitgemäßen Angeboten nachhaltig seine Attraktivität wahren. Doch ich bin überzeugt davon, dass die Bewahrung von Zeugen der Vergangenheit ebenso wichtig für die Erneuerung einer Innenstadt ist und wesentlich mit über deren Anziehungskraft entscheidet. Denn diese Denkmäler lösen Erinnerungen bei den Menschen und darüber Verbundenheit zur Heimat aus. Wenn man Gebäude abreißt, die für viele Bürgerinnen und Bürger mit froh stimmenden Erinnerungen verbunden sind, löscht man deren Erinnerungen mit aus.

Wo ist die Bewahrung wichtiger Bauwerke gelungen?

Gute Beispiele sind die Umbauung des Torbogens der Burg Wissem und die geplante Umnutzung der alten evangelischen Grundschule in der Viktoriastraße. Der Torbogen der Burg Wissem war seit seiner Entstehung im 18. Jahrhundert umbaut. Der Neubau mit dem Standesamt nimmt Bezug auf den früheren Zustand, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg beendet wurde. Glücklicherweise wurde ein Abriss des leer stehenden Schulgebäudes in der Viktoriastraße, das eine Keimzelle des evangelischen Troisdorfs ist, abgewendet, weil eine für die Stadt wichtige andere Nutzung gefunden wurde.

Wo finden sich in der Innenstadt sonst noch wertvolle Zeugnisse der Vergangenheit?

Zum Beispiel in der Taubengasse und der Straße Am Pfuhl. In der Taubengasse steht unter anderem ein beeindruckendes Ensemble von vier Fachwerkhäusern, die durch private Initiative erhalten wurden. Die Wurzeln reichen Am Pfuhl zurück bis in die Zeit des 30-jährigen Kriegs. In einem der Häuser in der Taubengasse befindet sich heute das Gasthaus Bierthe. Die frühere Besitzerin, Maria Bierther, geborene Engländer,  hatte es dem Heimat- und Geschichtsverein als Grundstock für die Errichtung eines Heimatmuseums vererbt. Der Verein verkaufte es an  Klaus Schröder, der in Troisdorf eine Anzahl von Fachwerkhäusern vorbildlich restauriert hat. Der Verkaufserlös wurde ein Grundstock für die Stiftung des Museums für Stadt- und Industriegeschichte.

Und warum ist dieses Fachwerkhaus über das bloße Alter hinaus so wichtig für Troisdorf?

Es ist das Geburtshaus von Wilhelm Engländer, Justitiar des Bankhauses Sal. Oppenheim im 19. Jahrhundert. Dieses empfahl dem Sprengstofffabrikanten Emil Müller aus Opladen wegen der Bahnanbindungen und der preiswerten Grundstücke die Rheinisch-Westfälischen Sprengstoffwerke (RWS), die spätere Dynamit Nobel AG, in Troisdorf zu errichten. Schon ein Jahr später, 1887, standen die ersten Produktionsstätten. Die Namen RWS und  DAG sind neben Mannstaedt eng mit dem Aufstieg des ärmlichen Bauerndörfchens Troisdorf zum Industriestandort verbunden.

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*Für eine Teilnahme an der Lesung mit Peter Haas ist eine Anmeldung in der Mayerschen oder unter E-Mail s.hoever@mayersche.de erforderlich.

ZiTi kürzt den Projektnamen „Zukunfts-Initiative Troisdorf-Innenstadt“ ab. Flankiert werden die Maßnahmen zu Umbau und Neugestaltung der Fußgängerzone durch die ZiTi-Kampagne. Sie wirbt für ein neues Bewusstsein für das Troisdorfer Zentrum und seine Stärken. Sie informiert die Öffentlichkeit zudem über den Verlauf der Baumaßnahmen. Mehr dazu im Internet unter www.troisdorf.city/ZiTi.


Stadt Troisdorf
Pressemitteilung Nr. 118/2016 vom 10. März 2016, 12:42 h